Mittwoch, 28. Mai 2008

Irans Führung verwehrte der Frauenaktivistin die Ausreise



Sie ist die Stimme der iranischen Frauenbewegung. Parvin Ardalan sollte gestern in Schweden den Olof-Palme-Preis für ihren Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen in Iran erhalten, doch zur Verleihung erschien sie nicht. Am Montag saß sie schon im startbereiten Flugzeug nach Stockholm, als sie ohne Begründung zum Aussteigen gezwungen wurde. Der Pass wurde ihr abgenommen, ein 72-stündiges Reiseverbot folgte. Die iranischen Behörden hatten sich durchgesetzt.
Über Ardalans Biografie ist wenig bekannt. In verschiedenen Quellen ist sie entweder 36 oder 41 Jahre alt. Sicher ist, dass sie Mitbegründerin einer im August 2006 begonnenen Kampagne ist, die in Iran eine Million Unterschriften für die Gleichstellung der Frauen sammeln will. Sie war auch Gründungsmitglied des ersten Frauenkulturzentrums zur Unterstützung der Frauenrechte. Als Journalistin arbeitete sie für die Zeitschrift »Zanan« (Frauen) und für das Onlinemagazin »Feminist Tribune of Iran«, bevor beide wie auch das Zentrum in den vergangenen Monaten geschlossen wurden. Das Internet war »ein großartiges Werkzeug«, äußerte Ardalan nach der Schließung enttäuscht. An guten Tagen wurde die »Feminist Tribune« von 70 000 Lesern angeklickt.
Die unbequeme Aktivistin schreibt über den Alltag iranischer Frauen: häusliche Gewalt, den Zwang, im Bus hinten zu sitzen, fehlende Rechte bei Scheidungen oder Sorgerechtsfällen. In ausländischen Medien spricht sie auch über die Zensur der Medien – manchmal durchaus mit Humor. Als in einem iranischen Film alle Szenen mit Schauspielerinnen nur in Schwarz-Weiß zu sehen waren, soll Ardalans Mutter gesagt haben: »Ich glaube, da stimmt was mit dem Fernseher nicht.« Die Antwort der lachenden Tochter: »Das liegt wohl eher daran, dass die Damen Make-up tragen.«
Wie über 40 andere Aktivistinnen wurde Ardalan wegen Sammelns von Unterschriften – als Gefährdung der nationalen Sicherheit ausgelegt – schon einmal zu dreijähriger Haft verurteilt. Dagegen hat sie Berufung eingelegt. Die Machthaber Irans wollen ihre Stimme also nicht zum ersten Mal zum Schweigen bringen. Doch diesmal hört die Welt mit. Schon deshalb hat sich der Preis gelohnt.
Quelle: Neues Deutschland

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